Which Boarding School

Für Außenstehende kann das britische Bildungssystem sehr verwirrend wirken. Warum werden einige der teuersten Privatschulen als „Public Schools” bezeichnet, und wenn man aufs College geht, hat man in der Regel entweder sehr gute oder sehr schlechte A-Levels – wo passt die Universität da eigentlich hinein?

Viele Eltern und Lehrer haben uns nach dem Bildungssystem in Großbritannien gefragt und wie das unabhängige System mit dem staatlichen zusammenspielt – daher ist dies der erste Teil einer Artikelserie, die versucht zu erklären, was in der britischen Bildungswelt derzeit gilt.

Beginnen wir mit dem staatlichen System, denn alle unabhängigen Schulen müssen die von der Regierung festgelegten Standards erreichen oder übertreffen, und beide werden von OFSTED überwacht (im Fall unabhängiger Schulen über den Independent Schools Council, ISC). In Großbritannien ist es zudem recht üblich, dass Kinder in verschiedenen Phasen ihrer Ausbildung sowohl private als auch staatliche Schulen besuchen.

Regionale Unterschiede

Das Bildungswesen in Großbritannien ist teilweise dezentralisiert – es gibt also gewisse lokale Unterschiede zwischen England, Wales, Schottland und Nordirland. Grundsätzlich gibt es jedoch drei Bildungsstufen: die Primarstufe (5–11), die Sekundarstufe (11–18) und die Tertiärstufe (nachschulische Bildung).

In Großbritannien besteht ab dem Alter von 5 bis 18 Jahren eine Form der Schulpflicht, die entweder an einer staatlichen Schule, einer unabhängigen bzw. privaten Schule oder im Rahmen von Homeschooling erfüllt werden kann. Begriffe wie Infant, Junior, Primary, Secondary, Key Stage 1 usw. können sehr verwirrend sein – daher folgt unten eine Übersicht zur Erklärung dieser Begriffe.

Die staatliche Bildung ist kostenlos, und Bücher sowie Schulmaterialien werden in der Regel gestellt, wobei manche außerschulischen Aktivitäten und Exkursionen zusätzliche Kosten verursachen können.

Vorschule

Vorschulen bzw. Vorschul-Spielgruppen sind nicht verpflichtend, erfreuen sich bei Eltern aber seit jeher großer Beliebtheit, um Kinder auf die Schulpflicht ab 5 Jahren vorzubereiten. In jüngster Zeit sind manchen Grundschulen Vorschulen angegliedert, und da Eltern – zu Recht oder Unrecht – davon ausgehen, dass Kinder, die bereits an der Schule sind, bevorzugt aufgenommen werden, halten es viele Eltern für wichtig, ihre Kinder so früh wie möglich bei der Schule anzumelden.

Primarbildung

Kinder beginnen mit 5 Jahren die Grundschule und besuchen diese bis zum Alter von 11 Jahren. Üblicherweise werden Jungen und Mädchen gemeinsam in derselben Klasse unterrichtet.

Sekundarbildung

Im Alter von 11 Jahren wechseln Kinder von der Grundschule zur weiterführenden Schule – entweder zu einer Grammar School oder einer Comprehensive School.

Tertiärbildung

Der Begriff Tertiärbildung umfasst die Bildung nach der weiterführenden Schule und schließt sowohl die Hochschulbildung (Bachelor- und Masterstudiengänge) als auch die berufliche Weiterbildung (Further Education, d. h. berufliche Bildung und Ausbildung) ein.

Die Debatte: Grammar School versus Comprehensive School

Nach dem Butler Education Act von 1944 wurde das Schulsystem in Grammar Schools, Secondary Modern Schools und Secondary Technical Schools unterteilt, und es wurde eine Auswahlprüfung eingeführt, die Kinder im Alter von 11 Jahren ablegten – die sogenannte „11 plus”. Dieses System wurde in der Nachkriegszeit stark kritisiert – besonders in den 60er-Jahren, einer Zeit großer sozialer Unruhen – als elitär und ungerecht, da die 11-plus-Prüfung oft als unzuverlässiger Indikator für das schulische Potenzial der Kinder galt. 1965 versuchte die Labour-Regierung daher, eine verpflichtende Gesamtschulbildung (Comprehensive Education) einzuführen, doch einige englische Regionen wehrten sich vehement und behielten ihre Grammar Schools bei. Die meisten Kinder in Großbritannien – und alle in Wales – besuchen jedoch eine staatliche Gesamtschule.

Leistungsgruppen oder nicht?

Grammar Schools unterrichteten Kinder traditionell in unterschiedlichen Klassen bzw. „Streams” je nach vermuteter Begabung, und manche Gesamtschulen übernahmen diese Strategie. Später wurde jedoch das „Fach-Streaming” bzw. „Setting” populärer, bei dem Schüler je nach Leistung in einem bestimmten Fach unterschiedlichen Gruppen zugeteilt wurden.

Verschiedene Arten von Gesamtschulen

Seit 1998 gibt es sechs Haupttypen staatlich finanzierter Schulen in England, die für Schüler und Eltern jedoch alle gleichermaßen nicht-selektiv und gebührenfrei sind. Alle unterstehen der Aufsicht des zuständigen Bildungsministers.

  • Academy School
  • Voluntary Controlled Schools
  • Community Schools
  • Free Schools („frei”, weil sie nicht von einer lokalen Bildungsbehörde kontrolliert werden)
  • Foundation Schools
  • Voluntary Aided Schools (in der Regel kirchliche Schulen)

Was passiert wann?

Viele Eltern sind durch Begriffe wie Key Stage 1 verwirrt und unsicher, wann Schüler welche Prüfungen ablegen – daher folgt unten eine Tabelle, die die verschiedenen Stufen im staatlichen wie im privaten Sektor erklärt.

schooltable

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